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Das Magazin für mehr Europainformation

Seit 2021 erscheint das Magazin des Bundeskanzleramts "Unser Europa. Unsere Gemeinde.". 2 Mal pro Jahr bietet das Heft Einblicke hinter die Kulissen der Europäischen Union und informiert über aktuelle Themen sowie EU-geförderte Projekte in Österreich. Exklusive Interviews mit Politikerinnen und Politikern sowie Stakeholdern auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene runden das Informationsangebot ab. Im Fokus stehen stets die Aktivitäten der Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte in Österreich, denn sie sind es, die Europa vor Ort kommunizieren.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, die Europäische Union ist aktuell mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Welche strategische Rolle sollte Österreich innerhalb der EU einnehmen, und in welchen Bereichen kann und soll unser Land aus Ihrer Sicht verstärkt Verantwortung übernehmen?

Die Herausforderungen sind aktuell definitiv enorm. Eines ist dabei aber eindeutig: Mehr denn je ist ein Land wie Österreich auf die EU-Mitgliedschaft angewiesen. Österreich ist ein konstruktiver Partner und versucht, Lösungen für die Probleme aktiv mitzugestalten. Das tun wir in vielen Bereichen, etwa bei der Migration, bei der Annäherung des Westbalkans oder bei der Stärkung der europäischen Wirtschaft.

Die Versorgung mit Energie und steigende Preise sind für viele Menschen aktuell das zentrale Thema. Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht notwendig, um die Energieversorgung in Österreich sowie Europa langfristig sicher, leistbar und nachhaltig zu gestalten?

Die Energiepreise sind weiterhin deutlich zu hoch. Dies treibt die Inflation und schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit. Das größte Problem ist dabei der hohe Gaspreis. Kurzfristig brauchen wir daher Möglichkeiten, den hohen Gaspreis vom Strompreis zu entkoppeln. Mittel- und langfristig müssen wir den Ausbau von erneuerbarer Energie weiter vorantreiben.

Österreich bringt sich auf EU-Ebene stark beim Thema Migration und Asyl ein. Welche Lösungsansätze sind in diesem Bereich erforderlich, und wie beurteilen Sie die jüngsten Entwicklungen, etwa die Umsetzung des Asyl- und Migrationspakts?

Der Asyl- und Migrationspakt ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Die Zahlen sind zuletzt deutlich gesunken. Unser Ziel, die illegale Migration völlig zu beenden, haben wir aber noch nicht erreicht. Dafür braucht es aus meiner Sicht zwei Dinge: einerseits innovative Lösungen, wie etwa Asylverfahren in Drittstaaten. Und andererseits die Weiterentwicklung der Rechtsprechung zur Europäischen Menschenrechtskonvention. Es kann nicht sein, dass Gerichte die Abschiebung verurteilter Straftäter verhindern, weil deren Herkunftsländer für sie zu gefährlich sind. Ich bin froh, dass ich mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und einigen anderen Regierungschefinnen und -chefs in der EU eine Initiative starten konnte, der sich mittlerweile 46 Länder angeschlossen haben.

Aktuell wird über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU, das langfristige EU-Budget ab 2028, verhandelt. Für welche „rot-weiß-roten“ Prioritäten setzt sich Österreich in diesen Verhandlungen ein?

Wir wollen ein modernes Budget, das Handlungsspielraum für die aktuellen Herausforderungen – Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Migration – schafft. Ebenso muss auch die Gemeinsame Agrarpolitik weiterhin angemessen ausgestattet werden. Als Netto­zahler ist es für uns aber natürlich auch wich­tig, dass unser nationaler Beitrag auf dem gleichen Niveau bleibt wie bisher. Wir wer­den daher wie auch in der Vergangenheit auf einem Rabatt für Österreich bestehen.

Die Europäische Union stößt in Österreich laut Umfragen auf viel Zuspruch und Zustimmung; vor allem ihr wirtschaftlicher Nutzen wird von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung positiv gesehen. Es gibt jedoch auch Skepsis und Kritik, etwa an zu viel Bürokratie und langsamen, komplexen Entscheidungspro­zessen. Was sagen Sie dazu?

Ich finde, wir sollten immer zuerst auf das Positive schauen: Die große Mehrheit der Menschen weiß, wie wichtig und alternativlos die EU-Mitgliedschaft ist. Dass man viele Dinge aber auch verbessern muss, teile ich. Daran arbeite ich jeden Tag.

Österreich nimmt mit der Europa-Gemein­deräte-Initiative seit Jahren eine Vorbild­funktion auf EU-Ebene ein. Welche Bedeutung messen Sie – auch aus dem Blickwinkel eines ehemaligen Vizebürgermeisters von Wiener Neustadt – dieser Initiative zu?

Als früherer Vizebürgermeister kann ich sagen, dass diese Initiative enorm wichtig ist. Die EU ist nicht nur in Brüssel, sondern überall bei den Menschen. Die Europa-Gemein­derätinnen und Europa-Gemeinderäte haben dabei eine zentrale Brückenfunktion, um in den Gemeinden über die Entwicklungen in der EU zu informieren und zugleich die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu transportieren. Die Politik braucht diesen Dialog. Das ist auch der Grund, weshalb ich diesen Sommer persönlich alle neun Bun­desländer besuchen werde, um im Rahmen von „Österreich im Gespräch“ mit möglichst vielen Menschen direkt sprechen und ihnen zuhören zu können.

Christian Stocker

Christian Stocker, 1960 in Wiener Neustadt (Niederösterreich) geboren, studierte Rechtswissenschaften in Wien, promovierte 1988 und ist seit 1994 als selbstständiger Rechtsanwalt tätig. Seine politische Karriere nahm auf kom­munaler Ebene ihren Anfang: Stocker war seit 1990 als Gemeinderat in Wiener Neustadt tätig, wo er von 2020 bis 2025 auch als Vize­bürgermeister wirkte. Auf Bundesebene zog er 2019 als Abgeordneter in den österreichischen Nationalrat ein. In der Österreichischen Volks­partei (ÖVP) hatte Christian Stocker in der Folge zentrale Funktionen inne, darunter seit 2022 die Rolle des Generalsekretärs. Im Jahr 2025 wurde er zum Bundeskanzler der Republik Österreich ernannt. Stocker ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

„Österreich im Gespräch“ mit Bundeskanzler Christian Stocker

Unter dem Motto „Österreich im Gespräch“ wird Bundeskanzler Christian Stocker im Juli und August 2026 alle Bundesländer besuchen, um mit Bürgerinnen und Bürgern in den direkten Austausch zu treten. Bei den Veranstaltungen haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Anliegen einzubringen und aktuelle Themen zu diskutieren. Die Anmeldung zur Teilnahme ist ab sofort möglich.

Alle Informationen finden Sie auf: www.oesterreich-im-gespraech.at

Drei Tage lang, von 13. bis 15. April 2026, bekamen die Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte dank einer vom Bundeskanzleramt organisierten und finanzierten Studienreise einen Eindruck davon, wie in der EU gearbeitet wird und wie das System der Europäischen Union funktioniert. Darüber hinaus konnten sie einigen wesentlichen Fragen nachgehen: Wofür sind der Rat der EU, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament zuständig? Wie könnte der mehrjährige Finanzrahmen der EU (der „EU-Haushalt“) ab 2028 aussehen? Wie möchte die EU die Bereiche Sicherheit und Verteidigung stärken? Und wie kann die Kommunikation von EU-Themen besser gelingen, vor allem auf Gemeindeebene?

Tag1: Rat der EU und ständige Vertretung Österreichs bei der EU

Gleich am Tag der Ankunft nahm die Österreicherin Nicole Bayer, Direktorin für Kommunikation im Generalsekretariat des Rates der EU, die Gruppe der Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte in Empfang. In den Räumlichkeiten des Rates folgte ein offener Austausch zur Arbeitsweise der europäischen Institutionen, zum Dialog zwischen den Regionen und der europäischen Ebene sowie zu Herausforderungen in der Kommunikation von EU-Themen.

Nicht weit entfernt von den Gebäuden des Rates in Brüssel befindet sich die größte diplomatische Mission Österreichs weltweit: Unter dem Dach der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU arbeiten rund 180 EU-Expertinnen und EU-Experten aus allen österreichischen Bundesministerien und der Verbindungsstelle der österreichischen Bundesländer sowie Vertreterinnen und Vertreter der Sozialpartner, der Industriellenver­einigung, der Oesterreichischen Nationalbank sowie des Österreichischen Gemeinde- und Städtebundes. Der Stellvertretende Ständige Vertreter Österreichs bei der EU, Botschafter Franz Wirtenberger, eröffnete den Abend an der sogenannten „EU-Botschaft Österreichs“ und gewährte einen Einblick in die Verant­wortlichkeiten und Tätigkeiten der österrei­chischen Vertretung bei der EU: Gesetzes­vorschläge der Europäischen Kommission werden analysiert und geprüft, alle Tagungen des Rates der EU sowie des Europäischen Rates vorbereitet und „rot-weiß-rote“ Interes­sen bei Verhandlungen mit den europäischen Institutionen und den anderen 26 EU-Mit­gliedstaaten bestmöglich vertreten. Wie das in der Praxis funktioniert, erläuterten die an der Ständigen Vertretung tätigen Expertinnen und Experten, darunter Antonia Kühnel, Leiterin des Besuchs- und Informationsdienstes, sowie Daniela Fraiß, Leiterin des an der Ständigen Vertretung angesiedelten Büros des Österrei­chischen Gemeindebundes in Brüssel.

Tag 2: Europäische Kommission

Am zweiten Tag der Reise öffnete die Europäische Kommission ihre Türen für die Besucherinnen und Besucher. Auf dem Programm standen Fachvorträge zur Bedeutung und Arbeitsweise der Europäischen Kommission, zum nächsten mehrjährigen Finanzrahmen sowie zur Sicherheits- und Verteidigungspoli­tik der EU. Die 23 Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte erhielten zudem Informationen zur “The EU Local Councillors Network”-Initiative der Kommission: Nach dem Vorbild der österreichischen Europa-Gemeinderäte-Initiative entsteht auch auf europäischer Ebene ein Netzwerk von kom­munalen und regionalen Politikerinnen und Politikern, die sich für EU-Themen engagieren. Zu den Highlights der Reise zählte ein aus­führlicher Austausch mit dem aus Vorarlberg stammenden EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, der über seine Arbeitsschwerpunkte sowie die aktuellen Prioritäten und Herausforderungen in sei­nem Bereich berichtete. Brunners Appell an die Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte aus Österreich: Die Stärken der EU würden oft nicht ausreichend anerkannt. Es liege daher wesentlich in den Händen der Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte, diese Stärken zu erkennen und sie auf regionaler und kommunaler Ebene zu vermitteln.

Tag 3: Europäisches Parlament

Der letzte der drei Besuchstage war dem Europäischen Parlament gewidmet, das seit 1979 direkt von den EU-Bürgerinnen und -Bürgern gewählt wird – zuletzt im Jahr 2024. Im Besucherinnen- und Besucherzentrum erfuhren die Gäste aus Österreich mehr über die Zusammensetzung und Arbeit dieser Einrichtung: Aktuell vertreten 720 Mitglieder des Europäischen Parlaments (kurz: MdEP) die Interessen der Bevölkerung; 20 davon kommen aus Österreich. Nach einem angeregten Dialog mit österreichischen MdEP aller Frakti­onen folgte eine Besichtigung des Plenarsaals des Europäischen Parlaments. Besonderes Interesse weckten die zahlreichen Dolmetsch­kabinen – in der EU gibt es 24 Amtssprachen – und die verschiedenen Vorgehensweisen bei Abstimmungen. Anschließend machten sich die Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte auf den Rückweg nach Öster­reich.

Eine einzigartige Gelegenheit

Drei Tage, drei europäische Institutionen, unzählige Erfahrungen, Eindrücke und Kontakte: All dies konnten die 23 Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäte mit nach Hause nehmen, um dort mit frischer Energie Europa in ihre Gemeinden zu tragen. Die nächste Brüssel-Reise ist für Herbst 2026 geplant.

Mehr Informationen
www.europagemeinderaete.at

EU-Projekte in Österreich sichtbar machen und das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Organisationen vor den Vorhang holen: Dieses Ziel verfolgt der Europa-Staats­preis, welcher 2015 anlässlich der 20-jähri­gen EU-Mitgliedschaft Österreichs ins Leben gerufen wurde. Der Europa-Staatspreis würdigt Menschen und Projekte, die in Österreich zu einer offenen Auseinandersetzung mit einem gemeinsamen Europa anregen und Bewusstsein für den europäischen Gedanken schaffen.

Europaministerin Bauer: „Den Kurs der EU selbst bestimmen!“

Bei einer feierlichen Preisverleihung im Bundeskanzleramt zeichnete Europaministerin Claudia Bauer am 6. Mai 2026 drei Initiativen aus Österreich mit dem diesjährigen Europa-Staatspreis aus. Eine unabhängige Fachjury hatte zuvor aus insgesamt 67 eingereichten Projekten die Preisträgerinnen und Preisträger in den drei Kategorien „Europa erklären“, „Europa gestalten“ und „Europa verändern“ ausgewählt.

In ihrer Ansprache betonte Europami­nisterin Bauer die zentrale Rolle eines starken und handlungsfähigen Europas in einer sich rasch verändernden Welt: „Gerade jetzt braucht es ein Europa, das selbstbewusst auftritt, klar sagt, wofür es steht, und seine Inte­ressen auch durchsetzt. Europa muss wieder stärker auf der internationalen Bühne prä­sent sein und bei geopolitischen Entschei­dungen mit am Tisch sitzen. Unser Ziel ist es, den Kurs selbst zu bestimmen und nicht nur Beifahrer zu sein.“ Ein starkes Europa sei auch Voraussetzung für wirtschaftliche Sta­bilität und Sicherheit: Österreich setze sich daher auf EU-Ebene für mehr Wettbewerbs­fähigkeit, einen resilienten Standort und weniger Bürokratie ein.

Europa im Alltag sichtbar machen

Zudem unterstrich Europaministerin Bauer, dass die EU im Alltag der Menschen verankert bleiben müsse: „Europa ist kein Selbst­läufer. Die Errungenschaften, die für viele heute selbstverständlich sind – Reisen ohne Grenzen oder Chancen durch Bildung und Arbeit in ganz Europa –, wurden hart erarbei­tet. Umso wichtiger ist es, Europa täglich zu erklären, zu gestalten und zu verteidigen.“

Die ausgezeichneten Projekte würden dazu beitragen, den europäischen Gedanken greifbar zu machen und neue Zielgruppen zu erreichen. „Mit dem Europa-Staatspreis holen wir jene vor den Vorhang, die Europa im Alltag sichtbar machen – mit Engagement Kreativität und großer Begeisterung. Dieses oft ehrenamtliche Engagement ist ein unverzichtbarer Beitrag für ein starkes und bürgernahes Europa. In allen Initiativen stecken viel Herzblut, Leidenschaft und Begeisterung für Europa, dafür möchte ich mich bei allen Pro­jektträgerinnen und -trägern herzlich bedanken!“, so Europaministerin Bauer.

Preisträgerinnen und Preisträger 2026

Die Siegerprojekte des Europa-Staatspreises 2026 wurden anhand von Kriterien wie der Wirksamkeit der Projekte mit Blick auf das Erreichen neuer Zielgruppen, ihrer Nachhaltigkeit, Innovationskraft und Kreativität sowie ihrer Multiplikatoreffekte ausgewählt.

Kategorie „Europa erklären“

„Europakoffer“
Projektverantwortlich: Paris-Lodron-Universität Salzburg

Der „Europakoffer“ bringt seit 2024 EU-The­men direkt in Salzburgs Schulen und ermöglicht einen fächerübergreifenden Zugang zu Europa, auch in entlegenen Regionen. Drei Wochen bleibt der Europakoffer, der mit maßgeschneiderten Materialien für 15 Unterrichtsfächer gefüllt ist, an einem Schul­standort. Der Europakoffer unterstützt Lehrkräfte dabei, Themen mit Europa-Bezug in ihrem jeweiligen Unterrichtsfach – von Deutsch über Physik und Geschichte bis hin zu Fremdsprachen, Sport oder Musik – greifbar zu machen. Eine Ausweitung auf ganz Österreich ist geplant.

Kategorie „Europa gestalten“

Radioshow „EU, was geht? – Was uns durch Europa verbindet“
Projektverantwortlich: Timna Maria Moser, Radio-Host und Initiatorin

„EU, was geht?“ – Unter diesem Titel vermittelt eine Radioshow EU-Politik verständlich sowie alltagsnah und schafft einen niederschwelligen Zugang zu europäischen The­men. Alle zwei Monate beleuchtet das Format einen aktuellen europapolitischen Themenschwerpunkt und „übersetzt“ EU-Politik in verständliche, alltagsnahe Geschichten – von „EU-Mythen aufgeklärt“ über „EU in Tirol“ bis zu „Neues aus der EU“. Das Projekt nimmt damit eine kreative Vermittlerrolle ein und macht die EU für Bürgerinnen und Bürger greifbar und spannend.

Kategorie: „Europa verändern“

“Cefoodcycle”
Projektverantwortlich: Fachhochschule Salzburg GmbH

Das Projekt entwickelt innovative Lösungen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen und stärkt die Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft wurde dabei auf den gesamten Lebensmittelstrom – von der Produktion über die Verwendung bis hin zur Entsorgung – angewandt. “CEFoodCycle” vernetzt fünf “Circular Food Hubs” in mehreren europäischen Regionen, um Lebens­mittelabfall zu verringern und zirkuläre Wertschöpfungspotenziale zu erschließen. Durch Pilot-Aktivitäten, Workshops und das digitale Tool FoodCycle.ai wurden innovative Ansätze entwickelt.

Mehr Informationen
www.europastaatspreis.at

Für Alfred Bader begann alles mit einer Bitte des Kottingbrunner Bürgermeisters Christian Macho: „Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, aktiv in der Gemeinde mitzumachen, und dass er mich wirklich gerne dabei hätte. Da habe ich natürlich Ja gesagt.“ Als es dann im Gemeinderat zur Abstimmung darüber kam, wer welche Funktionen übernehmen möchte, meldete er sich für das Amt des Europa-Gemeinderats – mit „beiden Händen“, wie Bader betont.

Europa verstehen und vertreten

Die Vorteile der Europäischen Union begleiten den Europa-Gemeinderat seit dem Beitritt Österreichs 1995 – beruflich wie privat. Als gelernter Industriekaufmann war er viele Jahre als Prokurist und im Exportbereich beschäftigt und hat schnell gemerkt, welche Vorteile die EU für heimische Unternehmen hat. „Dazu kamen die Reisefreiheiten, die wir bis dahin so nicht gekannt hatten, und mit dem Euro später eine weitere wichtige wirtschaftliche Komponente“, sagt Bader. Diese Errungenschaften unter die Leute zu bringen, ist ihm seit Jahren ein persönliches Anliegen: „Ich gehe gerne und oft auf die Leute zu, spreche mit Seniorinnen und Senio­ren und bin auch mehrmals im Jahr an Schulen zu Gast, um mich mit Schülerinnen und Schü­lern auszutauschen.“ Diese Gespräche seien besonders wichtig: „Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Europäerinnen und Europäer von morgen. Wenn sie jetzt verstehen, was die Europäische Union bedeutet und für sie tut, dann können sie auch besser daran mitwir­ken, die EU zu bewahren“, ist er überzeugt.

Ein starkes Symbol für die EU

Die Rückmeldungen, die Alfred Bader zu seiner Arbeit als Europa-Gemeinderat erhält, sind überwiegend positiv. „Die Leute freuen sich, dass jemand diesen Job macht, und sie kommen auf mich zu und bestätigen mich in meiner Arbeit. Natürlich gibt es immer wieder auch mal berechtigte Kritik und vereinzelt negative Stimmen“, erklärt er. Letztlich seien es genau diese wenigen Stimmen gewesen, die ihn zu seinem bisher größten EU-Projekt inspiriert haben: der Organisation eines großen Fests anlässlich des Europatags – in und vor allem mit Kottingbrunn. „Gerade wegen der negativen Aspekte, mit denen die Europäische Union in den vergangenen Jahren konfrontiert war, habe ich mir gedacht: Jetzt erst recht! Jetzt muss man aufzeigen und über die vielen positiven Dinge sprechen.“

Kottingbrunn feiert den Europatag

Ein besonderes Anliegen war es Bader, abzubilden, wie europäisch Kottingbrunn ist: „Knapp 720 unserer Einwohnerinnen und Einwohner sind Europäerinnen und Europäer, die aus anderen Ländern stammen und hier ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz haben. Das sind bei 8.000 Menschen, die hier leben, fast zehn Prozent. Diese Vielfalt wollte ich auch beim Europafest zeigen.“ Besonders geholfen bei der Umsetzung des Projekts haben Bader die Schulen, die ihm so wichtig sind. „Ich habe mit den Direktorinnen der Musikschule, der Volksschule und der Polytechnischen Schule Kottingbrunn gesprochen, und alle drei haben sofort zugesagt und mich unterstützt, wo sie konnten.“

Die EU in der Gemeinde, die Gemeinde in der EU

Am 9. Mai 2026 – passenderweise auch Baders Geburtstag – feierte Kottingbrunn ein fulminantes Fest zum Europatag. Das mit Sorgfalt ausgearbeitete Programm schloss neben Darbietungen der Musik- und der Volksschule auch Vorträge und Diskussionen mit ein und machte Europa buchstäblich erlebbar. So kamen nach den Eröffnungsworten von Bürgermeister Christian Macho europäische Kottingbrunnerinnen und Kottingbrunner zu Wort, die sich in ihren Muttersprachen vorstellten und über ihr Leben sprachen. Es folgten Vorträge der OeNB-Direk­torin für Zahlungsverkehr, Risikoüberwachung und Finanzbuchhaltung, Petia Niederländer, zum „Digitalen Euro“ sowie ein Überblick über aktuelle Themen und Entwicklungen in Europa von Lukas Mandl, Mitglied des Europäischen Parlaments. Abgerundet wurde das Programm durch eine ausführliche Fragerunde mit den hochkarätigen Gästen sowie der von Ramona Rotstich und Erwin Bader dargebotenen Euro­pahymne, bevor sich die über 200 Anwesenden an einem von der Polytechnischen Schule vor­bereiteten Buffet stärken konnten.

„An guten Ideen stets festhalten!“

Nach diesem erfolgreichen Projekt hat Bader einen besonderen Tipp für alle Kolleginnen und Kollegen, die es ihm gleichtun wollen: „Zuerst mal nicht auf das hören, was andere sagen“, sagt er lachend. „Wenn man eine gute Idee hat, lohnt es sich, an ihr festzuhalten und sie umzusetzen! Zudem ist es immer gut, Plattformen zu schaffen. Ich habe wertvolle Unterstützung erhalten, von den Schulen, dem Bundeskanzleramt und vom Land Niederösterreich. Am Ende ist man gemeinsam immer stärker – bei Ideen, in der Gemeinde und auch in Europa!“

Alfred Bader

Der 1957 geborene Niederösterreicher ist gelernter Industriekaufmann und war über Jahre hinweg Prokurist und Verkaufsleiter der FELLER GmbH. Durch seine jahrelange Tätigkeit im Export-Bereich hat er sowohl beruflich als auch privat positive Erfahrungen im Austausch mit anderen EU-Mitgliedstaa­ten gesammelt, die er nun an andere weitergeben möchte. Bader ist verheiratet und verbringt, wenn er sich nicht in der Gemeinde oder der lokalen Pfarre engagiert, viel Zeit in der Natur, beim Schwimmen, Mountainbiken und Wandern.

Kontakt: baderalfred0@gmail.com

Mehr Informationen
www.kottingbrunn.gv.at

Die Beiträge aus früheren Ausgaben wurden im nachstehenden Sammeldokument gebündelt und stehen weiterhin zur Nachlese zur Verfügung.

Sammeldokument Magazin "Unser Europa. Unsere Gemeinde" (PDF)

Cover verschiedener Ausgaben des Magazins "Unser Europa. Unsere Gemeinde"